Der VDS-Infobrief vom 21.05.2022

Und damit es gar nicht erst langweilig wird, geht es gleich weiter – wie immer beim VDS: hier.

1. Presseschau
• Urheberrecht wichtiger als Gendern
• Sprache zwischen Vernunft und Gefühl
2. Gendersprache
• Oberbürgermeister bezweifelt Lesefähigkeit des VDS
• Sprachgendern keine Lösung gegen Diskriminierung
• VHS löscht Gendersternchen
• NDR verfälscht Original-Zitat
3. Sprachspiele: Flimmern und Rauschen
• Wenn Rebellen nur bellen. Über die Sprache der Jugend und das Fragezeichen
4. Kultur
• Kulturpreis Deutsche Sprache 2022
5. Berichte
• Aktion „Anstoß“ – Stadtbibliothek verschenkt Erstlesebücher
6. Denglisch
• Streitgespräch mit dem VDS auf Englisch
7. Soziale Medien
• Queer-Beauftragter setzt auf Gendersprache
8. Termine

Der VDS-Infobrief vom 14.05.2022

Der Infobrief war wie immer pünktlich, nur wir hängen mit unserer Meldung über die Veröffentlichung durch. Sorry. Nachzulesen ist der Infobrief wie immer auf der VDS-Website, genauer gesagt: hier.

1. Presseschau
• Neue Buchstabiertafel
• Yücel verlässt PEN
• Jargon und Amtsdeutsch in Wahlprogrammen
• Am vollsten
• Kritik, aber nett
• „Einmal Erdapfelknorzen mit Knöttelkäse, bitte“
2. Gendersprache
• Doppelmoral
• Gendern schädigt Suchmaschinenoptimierung
• Frankfurt/Main soll gendern
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Baumpflege
4. Kultur
• Forum der Sprachenvielfalt in Emmendingen
• Sonderausstellung zum Lateinischen in Lichtenau
5. Berichte
• Sprachhilfen für ukrainische Flüchtlinge
• Baltische Deutscholympiade
• VDS verbindet
6. Denglisch
• Akzentfrei Englisch sprechen
• Englisch besser als Deutsch?
7. Termine

Bücherwurm bohrt NOVA an

Yvonne Tunnat, die sich selbst als Rezensionsnerdista bezeichnet, ist im Augenblick gefühlt die aktivste Rezensentin und Buchkritikerin, die sich auf dem deutschen SF-Markt tummelt. Sympathisch ist dabei ihre Vorliebe für Kurzgeschichten und Anthologien.
Ganz klammheimlich hat sie sich zuletzt Marianne Labisch und NOVA-Urgestein Michael Iwoleit gegriffen und zu einem Gespräch veranlasst, dass sie mit einer Laufzeit von beinahe einer Stunde als Podcast veröffentlicht hat. Man findet ihn auf zahlreichen Plattformen, vor allem aber auch bei Yvonne selbst: hier.

P.S.: Bei InterNOVA herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm. Wenn es dann wieder losgeht, findet man alles Lesbare und Lesenswerte unter internova-sf.de.

Der Kongress tagt

Unser erstes Buch war ein Buch über Ikebana, die japanische Blumensteckkunst. Es ist selbst heute noch, nach gut achtzehn Jahren, einer unserer Umsatzträger. Und es repräsentiert ein Thema, das uns nach wie vor am Herzen liegt. Weshalb wir gerne auch auf Veranstaltungen hinweisen, bei denen es um Ikebana geht.

Der IBV ist der Ikebana-Bundesverband e.V. Eigentlich veranstaltet er jährlich am Wochenende von Christi Himmelfahrt seinen Kongress – dank der weltweiten Seuche ist der nun zwei Mal ausgefallen und alle Hoffnungen richteten sich auf 2022.
Inzwischen steht fest, dass 2022 der IBV-Kongress in Wiesbaden-Naurod – wie man nachlesen kann, der klassische Veranstaltungsort – stattfinden wird: vom 26. Mai bis zum 29. Mai 2022. Es gibt auch bereits ein Programm. Und die Bücher unserer Ikebana-Hausautorin Ayako Graefe werden auch vor Ort sein.

Ikebana

 

Sex mit Außerirdischen?

Michael Kothe, Autor und Grafiker, hat sich Corinna Griesbachs Storysammlung zu Gemüte geführt:

Überblick

„Alien Love“, Sex mit Außerirdischen? Mit der Zufallsbekanntschaft aus der Spacebar auf Melmac? Weit gefehlt! Wer sich das von Corinna Griesbachs Buch erhofft, liegt falsch. Moralischer Tiefgang ist angesagt, auch wenn er dem Leser nicht sofort „ins Auge springt“. Als Mensch, der sich selbst Schriftsteller nennt, lese ich anders – nüchtern und analysierend. Doch auch mir erschloss sich die Erkenntnis nicht bei jeder Geschichte auf den ersten Blick.

Inhalt

Die Erzählungen spielen an exotischeren Orten als auf Melmac, nämlich auf einer Erde, die in apokalyptische Zustände verfällt. Dystopie, Endzeitstimmung, aber auch Hoffnung. Der Leser erinnert sich an „WALL-E – der Letzte räumt die Erde auf“, wenn er „Sarkophag“ liest, doch nur das Motto ist gleich, denn bei keiner Kurzgeschichte wurde abgekupfert. Kindliche Roboter als Belohnung für die in Armut lebenden Mütter, die ihre Kinder gebären für Bessergestellte. Und der berühmte große A****, der alles zu… Breit angelegt ist die Palette der Erzählungen, alle in ihrem eigenen Ambiente, alle mit unterschiedlichem Hintergrund und alle mit anderem Ausgang.

Schreibstil

Was man mir für das kreative Schreiben beigebracht hat, finde ich in Corinna Griesbachs Buch kaum wieder. Statt des immer geforderten „Show, don’t tell“ berichtet sie recht nüchtern, und Dialoge verwendet sie sparsam, weil ihre Figuren das Sprechen verlernt haben. Regelmäßig kreisen deren Gedanken ums eigene Schicksal, meist hadernd, seltener hoffnungsfroh. Alles ist sprachlich treffend eingefangen, nicht zuletzt dadurch, dass die Perspektive von Geschichte zu Geschichte wechselt. Der Ich-Erzähler kommt genauso zu Wort wie der auktoriale Erzähler, der alles weiß, oder die dritte Person, aus deren Blickwinkel der Leser nur erfährt, was sie selbst sieht und hört. Insgesamt „klingt“ das Buch so düster wie die Ausgangslage, die die Autorin jeweils vorstellt, um anschließend ein Plädoyer zu halten für Menschlichkeit und verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitmenschen und mit der Umwelt. Den belehrend erhobenen Zeigefinger bemerkt man erst bei genauerem Hinsehen, denn der Ton der Moral ist entgegen der oft an „Enemy Mine“ erinnernden Szenerie wohltuend leise. Wären die Geschichten Bilder, sähe ich Hieronymus Boschs Werke – nachgemalt von Picasso.

Fazit

Der zart besaitete Leser, der beim Titel Alien Love Liebesgeschichten der etwas anderen Art erwartet, hätte mit diesem Buch einen Fehlgriff getan. Es ist auch kein Buch, dessen Erzählungen man „einfach mal so nebenbei“ liest, denn dafür ist es zu düster, fordert gleichzeitig aber auf, Auswege zu entdecken. Jenen empfehle ich es, die Dystopien lieben, die den dafür angemessen schnörkellosen Schreibstil zu schätzen wissen, und die sich der leise ausgesprochenen Forderung nicht verschließen, Ansichten und Anordnungen zu hinterfragen, um genau die aufgezeigte Weltordnung zu verhindern. Je länger ich mich mit diesen Gedanken auseinandersetzte, desto besser gefielen mir die Geschichten.

Michael Kothe
https://autor-michael-kothe.jimdofree.com

Griesbach, Corinna, ALIEN LOVE